Kolonialismus à la Suisse

Ausstellungsprojekt:  Koloniale Verflechtungs- und Migrationsgeschichte Schweiz – DR Kongo seit 1876

1876 lud der belgische König Leopold II. die europäische Bourgeoisie nach Brüssel ein, um ihnen sein Kolonialprojekt vorzustellen und ihre Unterstützung dafür zu gewinnen. Unter den Anwesenden war auch der Schweizer Anwalt Gustave Moynier aus Genf.
Er war Mitbegründer des Institut de Droit International und des Internationalen Roten Kreuzes IKRK, Mitglied der Geographischen Gesellschaft Genf und späterer Schweizer Konsul des Freistaats Kongo. Er setzte sich in der Schweiz und international für die kolonialen Pläne Leopolds II ein. Von 1879 bis 1894 war er Herausgeber der kolonialen Propaganda-Zeitschrift für das französisch sprechende Europa L’Afrique explorée et civilisée und in seiner Funktion als Völkerrechts-Experte wesentlich für die Ausarbeitung internationaler Verträge und Abkommen des Freistaats Kongo (1885 – 1908) verantwortlich.
Weitere Schweizer – der Historiker Patrick Minder schätzt deren Zahl auf mindestens 200 – waren Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Dienst des belgischen Königs Leopold II in unterschiedlichsten Funktionen am Aufbau eines der brutalsten Kolonialregimes beteiligt.
So begann koloniale Verflechtungs- und Migrationsgeschichte zwischen der Schweiz und der DR Kongo. Frühe Objekt- und Fotografie-Sammlungen aus der DR Kongo in zahlreichen Schweizer Museen und Privatarchiven sind Zeugen und vielfältige Spuren finden sich bis heute in familiären, kulturellen, ökonomischen und politischen Beziehungen.

Die Schweiz und Mobutu
Ambivalent, widersprüchlich und von partikularen, wirtschaftlichen Interessen geleitet waren und sind die Beziehungen zwischen der Schweiz und der DR Kongo. Zugespitzt zeigte sich dies u.a. auch während und nach der Unabhängigkeit 1960. Zum Beispiel in den 1970er bis 1990er-Jahren, als die Schweizer Wirtschaftskreise und die offizielle Politik gut befreundet waren mit dem Diktator Mobutu Sese Seko und gleichzeitig politisch Verfolgte aus Zaire (heute DR Kongo) in der Schweiz um Asyl nachsuchten und zwangsrückgeschafft wurden.

Unbekannte Geschichte
Ziel des interdisziplinären Projekts ist es, die bis heute weitgehend unbekannte koloniale Verflechtungs- und Migrationsgeschichte zwischen der Schweiz und der DR Kongo in Zusammenarbeit mit Künstler*innen und Wissenschaftler*innen aus der Schweiz und der DR Kongo aufzuarbeiten und in einer Ausstellung, sichtbar zu machen.

Workshop vom 20. – 22.08.2025 im Kin Art Studio, Kinshasa DRC
Künstler*innen und Wissenschaftler*innen aus der Schweiz und der DR Kongo werden vom 20. bis 22. August 2025 werden in einem dreitägigen Workshop das Konzept für die Ausstellung entwickeln. Die Ausstellung wird in der DR Kongo und in der Schweiz gezeigt werden.
Teilnehmer*innen Workshop :
Nicolas-Patience Basabose, multidisziplinärer Designer
Gaby Fierz, Ausstellungskuratorin, Sozialanthropologin und Historikerin
Franziska Jenni, Ausstellungskuratorin, Sozialanthropologin und Kunsthistorikerin
Glodie Misanu, Architektin und Stadtplanerin
Mimi von Moos, Künstlerin und Direktorin von „artstravers, kulturelle Begegnung im Dreiländereck – künstlerische Rhizome in Aktion“, Basel, Mulhouse, und des Vereins „ventre“, Hegenheim
Yvonne Mpwo, Kuratorin, Programmdirektorin der Kongo-Biennale 2025
Patrick Mudekereza, Schriftsteller, Kurator und künstlerischer Leiter des Waza Art Center in Lubumbashi
Vitshois Mwilambwe Bondo, Künstler, Kurator, Direktor des Kin Art Studio in Kinshasa
Stella N’Djoku, Dichterin, Autorin, Übersetzerin und Forscherin
Lisa N’Pango Zanetti, MA Politikwissenschaft mit Spezialisierung auf Zeitgeschichte

Trägerschaft
Das Projekt wird vom Verein YOLDA Unterwegs, Basel, Schweiz in Zusammenarbeit mit dem Kin Art Studio, Kinshasa, DRC und dem Centre d’art Waza, Lubumbashi, DRC getragen.

Leitungsteam

Gaby Fierz, Sozialanthropologin und Historikerin. Sie leitete von 2000 bis 2016 die Abteilung Bildung und Vermittlung und war Ausstellungskuratorin im Museum der Kulturen Basel, wo sie u.a. die Ausstellung «Expeditionen» verantwortete. Seit 2016 ist sie freischaffende Kuratorin, Dozentin und Kulturvermittlerin.
www.gabyfierz.ch

Franziska Jenni, Sozialanthropologin, Kunsthistorikerin und Kuratorin zahlreicher Ausstellungen im Museum der Kulturen Basel und als freie Kuratorin von zeitgenössischer afrikanischer Fotografie. Sie ist zudem Geschäftsführerin der Fondation Oumou Dilly und arbeitet als Dozentin an der Universität Basel.

Patrick Mudekereza, Schriftsteller und Ausstellungskurator. Er ist Gründer und künstlerischer Direktor des Centre d’art Waza, eines unabhängigen Kultur- und Kunstzentrums in Lubumbashi. Er hat die Rencontres Picha, Biennale de Lubumbashi (2008-2015) mitbegründet und leitete die ersten drei Ausgaben. Er hat zahlreiche Ausstellungen kuratiert, u.a. „Prise de Terre“ (Teil von GEOgraphics, Bozar, 2010). Er ist Mitglied der Gruppe 50:50, einem Künstler*innen-Kollektiv aus der DR Kongo, der Schweiz und Deutschland.

Vitshois Mwilambwe Bondo, Künstler und Kurator, Gründer der Congo Biennale und des Kin Art Studio in Kinshasa. Er studierte Kunst in Kinshasa, Strasbourg und Amsterdam. Seit über einem Jahrzehnt konzentriert er sich auf die Vermittlung zeitgenössischer Ästhetik in den visuellen Künsten in der DR Kongo und auf dem afrikanischen Kontinent und die Förderung junger Künstler*innen.

Unterstützung

Fondation Oumou Dilly
Pro Helvetia
Kultur Basel-Stadt